Sind CFDs nur Glücksspiel?

 

Beim Handel mit CFDs geht es um das Ausnutzen kleiner Kursveränderungen. Kann man damit Gewinne machen? In dieser Frage stehen sich zwei extreme Sichtweisen gegenüber. Die einen sind der Meinung, dass man schon mit wenig Grundwissen und einfachen Werkzeugen viel Geld verdienen kann, die anderen halten CFD Trading für reines Glücksspiel, bei dem am Ende immer die Bank gewinnt. Wer hat Recht?

CFDs in Kürze

Einst wurden CFDs entwickelt, um die britische Stempelsteuer auf Aktientransaktionen zu umgehen. Doch die Derivate haben noch andere Vorteile, auch für Trader aus Deutschland, wo es keine Börsenumsatzsteuer gibt. Wer damit spekulieren will, sollte sich aber zuerst etwas Grundwissen aneignen.

Die Abkürzung CFD steht für Contract for Differenz, auf Deutsch auch Differenzkontrakt. Der Name stammt daher, dass der Wert dieses Papiers von den Kursdifferenzen des Basiswertes abhängt. Das gilt grundsätzlich natürlich für fast alle Derivate, egal ob Futures, Optionen oder Zertifikate. Bei CFDs ist der Zusammenhang aber sehr direkt. Während die Wertentwicklung bei Optionen mit dem komplexen Black-Scholes-Modell berechnet wird, sind Gewinn oder der Verlust bei CFDs einfach die Differenz des Basiswertes gewichtet mit einem Hebel.

Beträgt der Hebel beispielsweise 50 und ist der Basiswert um 0,3 Prozent gestiegen, so macht der Anleger 15,0 Prozent Gewinn – oder Verlust, wenn er ein Differenzkontrakt leer verkauft hat. Mit CFDs lässt sich nämlich problemlos auf steigende oder fallende Kurse setzen.

Sind CFDs Glücksspiel?

Nach der sogenannten Effizienzmarkthypothese wird der Trader am Ende aber meistens verlieren. Demnach sind nämlich alle verfügbaren Informationen bereits eingepreist. Wenn eine Aktie beispielsweise ein scheinbar günstiges Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) hat, also in Relation zu den Gewinnen relativ billig ist, dann deshalb, weil die Zukunftsaussichten des Unternehmens schlecht sind. Tatsächlich hatten beispielsweise Energieunternehmen wie RWE lange Zeit ein sehr niedriges KGV und eine sehr hohe Dividendenrendite – bevor die Gewinne und damit auch die Kurse einbrachen. Genauso wie es die Börse vorhergesagt hatte.

Umgekehrt gilt, dass Wachstumsfirmen wie Alphabet (Google), Amazon oder MBB zwar gute Zukunftsaussichten haben, dass das aber bereits durch hohe Kurse eingepreist ist. Das bedeutet, dass diese Unternehmen zwingend wachsen müssen. Schon ein Rückgang der Wachstumsgeschwindigkeit würde zu Kursverlusten führen.

Kritik an der Effizienzmarkthypothese

Nicht erst seit der Finanzkrise ist diese Theorie aber umstritten. Der Börse wird vorgeworfen zu Übertreibungen zu neigen. Auch professionelle Investoren machen schließlich Fehler.

Außerdem, so ein weiterer Kritikpunkt, verfolgen längst nicht alle Anlageberater und Fondsmanager nur die Interessen ihrer Kunden, sondern auch eigene. Die Ökonomen bezeichnen das als Prinzipal Agent Problem.

Und schließlich würden auch in unserer modernen Zeit neue Erkenntnisse und Ergebnisse nicht sofort umgesetzt, sondern erst nach und nach. Das böte Anlegern die Chance kurzfristige Gewinne zu machen, indem man einfach dem aktuellen Trend folgt.

Tatsächlich gilt die Trendfolgestrategie als vielversprechendster Ansatz, um mit CFDs und Devisen Geld zu verdienen. Eine genauere Beschreibung dieser Strategie findet man unter CFD Grundlagen und Trading Tipps.

Wer hat Recht?

Letztendlich geklärt ist bis heute nicht, wie effizient die Märkte wirklich sind. Klar ist aber, dass nicht jeder besser abschneiden kann als der Markt. Wer keinen Spaß am Traden hat, langfristig sparen will oder sich nicht mit der Börse beschäftigen will, für den sind andere Anlageformen wie ETFs besser geeignet.

Hat man Spaß am Traden und ein paar Euro auf der hohen Kante, deren Verlust man auch verkraften kann, dann sind CFDs eine attraktive und interessante Form der Spekulation. Allerdings müssen sich Trade darüber im Klaren sein, dass die Verluste wegen des Hebels höher sein können als die Einlage, wenn der Broker eine Nachschusspflicht nicht explizit ausschließt. Verliert der Basiswert beispielsweise 2,0 Prozent, dann hat man bei einem Hebel von 100 bereits 200,0 Prozent verloren.

Der beste Broker

Differenzkontrakte werden im Regelfall nicht direkt über die Börse gehandelt, sondern bei einem spezialisierten Broker gekauft. Klassischerweise ist der selbst Marktmacher, das bedeutet, er betreibt nicht nur den Handelsplatz, sondern sorgt auch für ausreichend Angebot und Nachfrage.

Denn wenn ein Trader ein Differenzkontrakt auf die Vodafone-Aktie kauft muss nicht zwangsläufig auch ein anderer Händler das entsprechende Papier verkaufen, wie das an den Wertpapierbörsen der Fall ist. Vielmehr schließt der Käufer oder Verkäufer einen Kontrakt mit dem Broker selbst.

Solange sich ähnlich viele Käufer wie Verkäufer finden, zahlen die einen an die anderen. Ist der Kurs des Basiswertes gestiegen, dann finanzieren die Verluste der Verkäufer die Gewinne der Käufer. Weil die Verkaufskurse immer etwas niedriger sind als die Kaufkurse zum gleichen Zeitpunkt, macht auch der Broker noch einen Gewinn.

Schwieriger wird es, wenn es ein großes Ungleichgewicht gibt. Dann verliert der Broker nämlich Geld, wenn die Mehrzahl seiner Kunden richtig liegt. Zwar sichern sich die Unternehmen in solchen Fällen meist über die Börse ab. Sollte die Mehrheit der Trader erfolgreich sein, macht der Broker an der Börse Gewinne und refinanziert so eine Ausgaben.

Trotzdem misstrauen einige Trader den Broker fürchten, sie hätten gar kein Interesse daran, dass ihre Kunden Gewinne machen. Deshalb bevorzugen sie sogenannte STP-Broker, die nicht selbst als Handelspartner auftreten, sondern Aufträge an externe Liquiditätsgeber weitergeben, beispielsweise Banken und Fonds.

Fazit

Vieles spricht dafür, dass der Handel mit CFDs mehr ist als Glücksspiel. Klar ist aber auch, dass nicht alle Trader Gewinne machen können. Deshalb sollte man nur Geld investieren, dessen Verlust man auch verkraften kann. Außerdem lohnt es sich, seine Tradingfähigkeiten erst einmal mit einem Demokonto auszuprobieren. Und nicht zuletzt sollte man Spaß am Handeln haben, dann sind auch Verluste keine Katastrophe. Andere Formen der Unterhaltung kosten schließlich auch Geld.



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